Nicht um mein flüchtig Gut der Zeit, 2023
Die Textarbeit von Karin Karinna Bühler macht auf die beengenden Verhältnisse aufmerksam, die in unserer patriarchal geprägten Gesellschaft noch immer bestehen. Die Arbeit kann als Zeichen des Aufbegehrens gelesen werden. Die Aussenfassade des Fachwerkhauses – im 18. Jahrhundert war hier die katholische Schule untergebracht – wird durch das Werk zum Medium der Befreiung und des Widerstandes. Beim Eindunkeln beginnt die Schrift zu leuchten, für die Unterdrückten, Unsichtbaren, welche ihre Stimmen nicht erheben können.
Beteiligte
Livia Weishaupt, Vermessung der Fassade
Beatrice Jakubowski, Hausbesitzerin
Curdin Jemmi, Kahtrin Montaña, Lisa Bühler, Paulina Bühler, Assistenz
Standort
Fassade, Hintergasse 9 (Schmalzhaus)
Über die Ausstellung «Frida»
Wie fühlte sich damals die Zeit an? Dauerte früher eine Sekunde länger als heute? Wem lauschen wir, um zu verstehen, was geschah? Und wie können wir uns in eine Zeit hineinversetzen, wenn die Zeitzeug:innen bereits verstummt sind? Frida Edelmann-Knöpfel, die von 1864-1921 in Lichtensteig lebte, war eine neugierige und aufmerksame Beobachterin ihrer Zeit. Dem Entrinnen der Zeit entgegenwirkend, schrieb Frida ihre Alltagserfahrungen in Mundart nieder und gab dadurch der Nachwelt die Möglichkeit, in ihre Gedankenwelt vorzudringen. Sie schrieb über die Mühen ihrer Mutter, die Beziehung zu ihrem Ehemann, ihre Kinder, über das Leben im Städtchen und gehörte damit zu den wenigen Frauen ihrer Zeit, deren Schriften überliefert wurden. Als Hommage an Frida, haben die Künstler:innen Karin Karinna Bühler, Martina Morger, Reto Müller, Lika Nüssli und Thomas Stüssi, neue Werke geschaffen, die von Fridas Erinnerungen inspiriert sind. Die Werke, welche im «öffentlichen Raum» der Gemeinde Lichtensteig installiert werden, feiern am 7. Juli 2023 Vernissage und werden dann dauerhaft im Städtchen gezeigt. Die Ausstellung wird von Marcel Hörler mit der Unterstützung von Maura Kressig und Jost Kirchgraber kuratiert.