Frida, kleine Rebellin, 2023
Im Eigensinn und in der Widerspenstigkeit von Frida erkennt sich Lika Nüssli wieder. Für die drei Objekte beim alten Schäfli, am Brunnen in der Löwengasse und an der Abzweigung beim Ortseingang erarbeitete die Künstlerin nichtfunktionale Textilstücke (Lismete). Diese wurden mittels Abgusstechnik in der Giessereiwerkstatt von und mit Laila Pauli in Acryl übersetzt und aufgewertet. Durch das Aufnehmens von fallengelassenen Maschen – hier könnte durchaus auch die Redensart «durch die Maschen fallen» aufgegriffen werden – verweist Lika auf ein zentrales Thema des Feminismus: die Hausarbeit, Fürsorge, das Pflegen und das Sich-Kümmern (Care-Arbeit) als gering geschätzter Bereich und Antriebskraft einer funktionierenden Gesellschaft.
Beteiligte
Luisa Zürcher, Anita Meister, Herbert Weber, Strickexperimente
Laila Pauli, Kunstgiesserin
Gabrielle Gern, Hausbesitzerin
Standorte
Hauseingang, Hauptgasse 12 (Rathaus für Kultur)
Fenster, Hintergasse 24 (Altes Schäfli)
Brunnen, Löwengasse
Über die Ausstellung «Frida»
Wie fühlte sich damals die Zeit an? Dauerte früher eine Sekunde länger als heute? Wem lauschen wir, um zu verstehen, was geschah? Und wie können wir uns in eine Zeit hineinversetzen, wenn die Zeitzeug:innen bereits verstummt sind? Frida Edelmann-Knöpfel, die von 1864-1921 in Lichtensteig lebte, war eine neugierige und aufmerksame Beobachterin ihrer Zeit. Dem Entrinnen der Zeit entgegenwirkend, schrieb Frida ihre Alltagserfahrungen in Mundart nieder und gab dadurch der Nachwelt die Möglichkeit, in ihre Gedankenwelt vorzudringen. Sie schrieb über die Mühen ihrer Mutter, die Beziehung zu ihrem Ehemann, ihre Kinder, über das Leben im Städtchen und gehörte damit zu den wenigen Frauen ihrer Zeit, deren Schriften überliefert wurden. Als Hommage an Frida, haben die Künstler:innen Karin Karinna Bühler, Martina Morger, Reto Müller, Lika Nüssli und Thomas Stüssi, neue Werke geschaffen, die von Fridas Erinnerungen inspiriert sind. Die Werke, welche im «öffentlichen Raum» der Gemeinde Lichtensteig installiert werden, feiern am 7. Juli 2023 Vernissage und werden dann dauerhaft im Städtchen gezeigt. Die Ausstellung wird von Marcel Hörler mit der Unterstützung von Maura Kressig und Jost Kirchgraber kuratiert.