Kurze Hosen aber grosses Herz, 2023
Thomas Stüssis Eingriff in das Ortsbild, die bestehende Bausubstanz, zeigt auf humorvolle Art und Weise, wie durch clevere Nachahmung und den Einbezug von Stimmen die Geschichte neu befragt werden kann. Der Künstler nutzt die kurzen Hosen von Fridas Gatten Jakob Edelmann als Anlass für seinen künstlerischen Prozess, um über den Goldenen Schnitt eine Referenz zu Jost Bürgis mathematischen Arbeiten zu machen und eine ästhetische Kürzung der Hosen vorzuschlagen. Durch diese Perfektion im Unperfekten entsteht ein interdisziplinärer Dialog über die Generationen hinweg, zwischen Frida, Jost und Thomas.
Beteiligte
Hans Mösli, Drechsler
Erika Kläger, Wirtin
Thomas Billeter, Hausbesitzer
Standort
Arkade, Hauptgasse 26
Über die Ausstellung «Frida»
Wie fühlte sich damals die Zeit an? Dauerte früher eine Sekunde länger als heute? Wem lauschen wir, um zu verstehen, was geschah? Und wie können wir uns in eine Zeit hineinversetzen, wenn die Zeitzeug:innen bereits verstummt sind? Frida Edelmann-Knöpfel, die von 1864-1921 in Lichtensteig lebte, war eine neugierige und aufmerksame Beobachterin ihrer Zeit. Dem Entrinnen der Zeit entgegenwirkend, schrieb Frida ihre Alltagserfahrungen in Mundart nieder und gab dadurch der Nachwelt die Möglichkeit, in ihre Gedankenwelt vorzudringen. Sie schrieb über die Mühen ihrer Mutter, die Beziehung zu ihrem Ehemann, ihre Kinder, über das Leben im Städtchen und gehörte damit zu den wenigen Frauen ihrer Zeit, deren Schriften überliefert wurden. Als Hommage an Frida, haben die Künstler:innen Karin Karinna Bühler, Martina Morger, Reto Müller, Lika Nüssli und Thomas Stüssi, neue Werke geschaffen, die von Fridas Erinnerungen inspiriert sind. Die Werke, welche im «öffentlichen Raum» der Gemeinde Lichtensteig installiert werden, feiern am 7. Juli 2023 Vernissage und werden dann dauerhaft im Städtchen gezeigt. Die Ausstellung wird von Marcel Hörler mit der Unterstützung von Maura Kressig und Jost Kirchgraber kuratiert.